Home > China > Tagebuch


Sa, 12.01.2002

Um 8:00 Uhr schaue ich fragend meinen piepsenden Wecker an, aber er reagiert nicht auf meine ungläubigen Blicke. Was macht ein Fußballverrückter nicht alles, um auch auf der anderen Seite der Erdkugel kicken zu können. Wenigstens glaube ich, durchgeschlafen zu haben. Der Fußballplatz an der Uni ist genau so, wie man sich einen chinesischen Fußballplatz vorstellt: kein Gras, dafür steinhart festgetrampelte Erde (seit ich hier bin hat es noch nicht geregnet, was sich übrigens fatal auf den Smog auswirkt), kleine und mittelgroße Steine, jede Menge Staub und natürlich Müll (das Umweltbewusstsein der Chinesen ist dem der Deutschen um mindestens 20 Jahre hinterher – hier wird Müll meist einfach irgendwo hingeworfen, irgendwann kommt schon einer, der es für einen Hungerlohn wegräumt).
Nach dem Mittagessen zappe ich kurz durch die chinesischen Sender und muss kurz lachen: auf einmal spricht mich Joachim Bublath auf Chinesisch aus dem Fernseher heraus an. Joachim Bublath? Richtig! Hier läuft die Knoff-Hoff-Show (gibt’s die in Deutschland überhaupt noch?), und irgendwie finde ich, dass Bublaths Synchronstimme nicht so recht zu ihm passt.
Abends geht es wie letzte Woche in Tom’s Bar. Da die Chinesen eine ganz andere Vorstellung von Nachtleben haben als wir Westler, gibt es in der 5-Millionen-Stadt Suzhou nur eine halbe Hand voll guter Kneipen. Die beste davon soll Tom’s Bar sein. Da kann man nur von Glück reden, dass es sich dabei um eine richtig gute Kneipe handelt, die auch in Deutschland zu den guten Tipps einer Stadt gehören würde. Und wenn man weiß, dass es keine echte Alternative gibt, geht man da auch schon mal 12 Wochen am Stück samstagabends hin.
Um noch mal auf das Nachtleben im Allgemeinen zurückzukommen: die Chinesen scheinen wirklich um 21:00 Uhr die Bordsteine hochzuklappen. Um diese Uhrzeit sind nämlich schlagartig die Restaurants leer, und die 5-10 guten Kneipen der Stadt sind den ganzen Abend über nicht überdurchschnittlich voll. Als wir um 04:00 Uhr nach Hause gegangen sind, kam mir Suzhou wie eine 5000-Seelen-Gemeinde vor und nicht wie eine Millionenstadt.

< Fr, 11.01.2002  |  Sa, 12.01.2002  |  So, 13.01.2002 >

Home > China > Tagebuch