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Mo, 11.02.2002

Heute geht es für einen zweitägigen Ausflug nach Shanghai (ca. 90 km entfernt). Mit mir gehen Uli, der sein Praktikum hier schon beendet hat, seine Schwester Birgit und Ender, ein deutscher Türke, der hier ein Semester lang studiert hat. Ender hat für 12,50 DM pro Nase Betten in einer Jugendherberge in Shanghai für eine Nacht organisiert. Für diesen Preis erwarte ich bei einer chinesischen Jugendherberge das Schlimmste!
Die Zugfahrt erster Klasse dauert mit dem Expresszug etwas mehr als eine Stunde und kostet ganze 5 DM. In Shanghai angekommen fahren wir mit einer von Shanghais 3 U-Bahn Linien zum großen Volksplatz und laufen von dort aus die Einkaufsstraße Nanjing Lu entlang. Hier entstehen die ersten von insgesamt 100 Fotos an diesen beiden Tagen.
Am Ende der Nanjing Lu kommt man schließlich zum Bund. Der Bund ist meiner Meinung nach der schönste und beeindruckendste Fleck in ganz Shanghai. Auf der einen Seite dieser Uferstraße reihen sich auf mehreren hundert Metern Länge dutzende von großen und prachtvollen Gebäuden im europäischen Kolonialstil aneinander. Sie stammen aus der Zeit der Jahrhundertwende, als die Europäer die Öffnung von Shanghai als Handelsplatz für europäische Waren erzwangen. Heute befinden sich in diesen Gebäuden hauptsächlich Banken und Hotels.
Auf der anderen Seite des Bund liegt der Fluss Huangpu. Der Fluss selbst ist wenig spektakulär, ganz im Gegenteil zur Aussicht, die man vom Bund aus auf Pudong, das neue Finanzzentrum Shanghais, hat. In Pudong wachsen die Hochhäuser zur Zeit wie Pilze aus dem Boden, was man an den Fotos unschwer erkennen kann. Die höchsten Gebäude sind zur Zeit der 468 m hohe Fernsehturm „Pearl Tower“ und der ebenfalls über 400 m hohe Jin Mao Tower. Sämtliche Fotos von Pudong habe ich vom Bund aus oder während der Hafenrundfahrt auf dem Huangpu vom Schiff aus gemacht.
Nach dem Mittagessen in einem einfachen Straßenrestaurant machen wir dann besagte Hafenrundfahrt. Die Tour führt uns 30 km den Huangpu hinab bis er schließlich ins chinesische Meer mündet und anschließend wieder zurück. Hier bestätigt sich wieder mein Eindruck vom allerersten Tag, dass Shanghai einfach riesig ist. Erst auf den letzten Kilometern vor dem chinesischen Meer werden die Gebäude kleiner und man kann Einfamilienhäuser und ganz zum Schluss auch mal Felder und Wiesen erkennen.
Nach der Hafenrundfahrt gehen wir erst mal zur Jugendherberge und schauen uns an, was wir uns für 12,50 DM eingehandelt haben. Die Überraschung ist groß, als wir erkennen, dass diese Herberge einen höheren Standard zu bieten hat als deutsche Jugendherbergen. Die Räume sind neu und sauber, die Betten und Möbel sind aus hellem Holz und die Toiletten und Duschen sind sogar für deutsche Verhältnisse als sauber zu bezeichnen. Auf den Toiletten gibt es sogar Schüsseln, was in China leider die Ausnahme ist.
Abends laufen wir noch einmal quer durch die Shanghaier Innenstadt und kehren schließlich im Hard Rock Cafe ein. Obwohl die Band dort wirklich außergewöhnlich gut ist, sind wir aber auch nach einer halben Stunde schon wieder draußen, da wir bei deren Preisen (10,50 DM für ein 0,3 l Glas Bier) irgendwie keine Lust mehr auf ein zweites Bier haben. Um 23:45 Uhr finden wir uns wieder am Bund ein, um das Feuerwerk für den ersten Tag im Jahr (nach dem Mondkalender) von dort aus zu beobachten. Die alten Kolonialbauten am Bund sind ja schon am Tag prachtvoll und schön anzusehen, die Chinesen strahlen sie in der Dunkelheit aber so geschickt an, dass sie nachts noch viel imposanter wirken als am Tag (siehe Fotos).
Das Feuerwerk um 0:00 Uhr unterscheidet sich kaum von deutschen Sylvesterfeuerwerken, außer vielleicht darin, dass die Chinesen etwas mehr auf akustische und weniger auf optische Reize setzen. Während um 0:15 Uhr kaum noch Raketen hochgehen, kann man die äußerst großen und lauten chinesischen Kracher noch lange nach 1:00 Uhr hören. Alles in Allem scheinen die Chinesen verrückter nach Feuerwerken zu sein als die Deutschen, was wir vor allem daran erkennen, dass der Bürgersteig vor unserer Herberge um 1:00 Uhr vor lauter rotem Papier explodierter Kracher kaum noch zu erkennen ist.

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