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Mi, 09.01.2002

Jet-Lag heute: weiß nicht genau, irgendwann mitten in der Nacht, konnte aber diesmal wieder einschlafen. So langsam glaube ich nicht mehr, dass es der Jet-Lag ist sondern eher die brettharte Matratze.
So, heute nun die Schilderung der chinesischen Restaurants. Abends gehen wir mit zwei Chinesen aus der Fabrik zu einem Abschiedsessen für zwei deutsche Trainees, die mit ihrem Praktikum fertig sind und bald nach Australien weiterziehen.
Die Restaurants hier sind um ein mehrfaches größer als in Deutschland. Es gibt oft mehrere große Räume, die ohne die Einrichtung teilweise schon fast kleine Hallen wären. Dazu gibt es – oft ein Stockwerk weiter oben – noch jede Menge „Einzelzimmer“, in denen jeweils nur ein Tisch für unterschiedlich viele Personen steht. Wir sind an diesem Abend 8 Personen und beziehen dementsprechend ein Separee genau dieser Größe. Wenn darin ein runder Tisch steht, ist meist eine riesige, runde und drehbare Glasplatte in der Mitte, auf die sämtliche Speisen kommen. In China wird nämlich im Allgemeinen nicht einzeln bestellt, sondern einer bestellt (meist in Absprache mit den anderen) mehrere unterschiedliche Gerichte für alle am Tisch. Diese können dann mit einer solchen Glasplatte einfacher rumgereicht werden als an einem normalen, eckigen Tisch. Desweiteren nimmt man sich das Essen nicht in großen Mengen aus den Schüsseln auf einen Teller, sondern man ist direkt aus den Schüsseln und von den Platten am Tisch. Dementsprechend hat man auch keinen großen Teller sondern nur einen kleinen, der auch nur für das Ablegen von Knochen, Gräten, oder ähnlichem gedacht ist. Wenn mal etwas runterfällt, ist das nicht weiter schlimm. Auf dem Schoß hat man ein großes Stofftaschentuch liegen und wie der Tisch nach dem Essen aussieht, juckt niemanden und genau so sieht er auch oft aus. An Gerichten gibt es quasi alles. Ich habe den Eindruck, die Chinesen essen fast alle Tiere (z.B. Quallen, Hunde, Schlangen, Esel, usw.) und viele Pflanzen und von den Tieren essen sie auch fast alle Körperteile. Wenn in irgendetwas kleine Knochen enthalten sind, wird erstmal das ganze Stück in den Mund genommen und der Knochen danach auf den Teller gespuckt, die Hände werden dabei nicht benutzt. An diesem Abend gab es unter anderem Entenschnäbelchen und die Spitzen von Schweinsohren. Von den Entenschnäbelchen habe ich kaum Fleisch abgekommen und die Schweinsöhrchen habe ich nicht angefasst. Getränke kann man wie in Europa einzeln oder auch in Flaschen für den ganzen Tisch bestellen. Dabei fällt auf, dass die Chinesen sehr gute Schnapstrinker sind, bei Bier aber sofort in die Knie gehen. Anscheinend stimmt es wirklich, dass ihnen dafür ein wichtiges Enzym fehlt. Was die Essenszeiten angeht, sind die Chinesen ziemlich früh dran. 17:00 Uhr ist eine normale Essenszeit und um 21:00 Uhr sind die Restaurants so gut wie leer.

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