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Fr, 01.02.2002

Wenn ich nicht noch häufiger um diese Zeit in China bin, wird dieser Abend wohl als eines der schlimmsten Besäufnisse meines Lebens in die Geschichte eingehen. Direkt nach Feierabend (17:00 Uhr) fährt heute unsere gesamte Belegschaft zum alljährlichen „spring festival dinner“ von Siemens in Suzhou. Es scheint hier in China Tradition zu sein, dass ein Unternehmen für seine gesamte Belegschaft kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest ein großes Fest ausrichtet. Wie man den Fotos entnehmen kann, gibt es an diesem Abend ein abwechslungsreiches Showprogramm mit Tanzvorführungen, Gesangseinlagen, einer Zauberin, einer kurzen Peking-Oper, einer Verlosung sowie kurzen Vorführungen von Leuten aus der Firma.
So weit, so gut.
Da die Chinesen jedoch ein trinkfreudiges Volk sind, kann so eine Feier schnell zu einem Besäufnis werden – schließlich zahlt der Arbeitgeber auch den Alkohol! Und genauso kam es dann auch. Es läuft an diesem Abend meist so ab, dass jemand den Tisch seiner Abteilung verlässt und einen Tisch mit Freunden oder Bekannten aufsucht. Am Tisch angekommen, wird dann der ganze Tisch aufgefordert, „ganbei“ (auf Ex) zu trinken. Jetzt kann man sich vielleicht in etwa vorstellen, wie es uns wenigen Deutschen an diesem Abend ergeht. Viel zu viele Leute haben das Bedürfnis, mal mit den Deutschen zu trinken, und steuern deswegen zielsicher einen der beiden Tische mit deutscher Beteiligung an. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, wird von einem noch erwartet, dass man selbst noch einmal zu allen Tischen geht, an denen Leute sitzen, mit denen man beruflich oder außerberuflich zu tun hat, und diese Tische zum Trinken auffordert.
Hätte es an diesem Abend nur das leichte amerikanische Budweiser gegeben, hätte ich das ganze (im Gegensatz zu den Chinesen, die von Bier sofort besoffen werden) wohl noch halbwegs gut überstanden. Die Gläser Rotwein am Anfang und in der Mitte des Abends haben dies aber leider vereitelt.
Nachdem die Feier um 22:30 Uhr vorbei ist, wollen wir alle den Abend in Tom’s Bar zu Ende bringen. Wir Trainees bringen davor aber noch kurz unsere Taschen nachhause. Bis dahin geht es mir noch verhältnismäßig gut, ich hab’ zwar mächtig einen in der Krone, aber es geht mir gut. Als ich jedoch meine Wohnung betrete, ist es schlagartig um mich geschehen. Ich sage nur soviel, dass ich meine Wohnung an diesem Abend nicht mehr Richtung Tom’s Bar verlasse.

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